Cars give people wonderful freedom and increase their opportunities,
but they also destroy the enviroment, to an extent so drastic that they kill all social life.“

( A pattern language: Towns, Buildings, construction by Christoper Alexander)

IDEE

Willkommen zu stattautobahn.berlin, dem offenen Ideenwettbewerb der Alternativen für den Ausbau der A100 Stadtautobahn.

Seit 2013 wird in Berlin Neukölln und Treptow an der Verlängerung der Stadtautobahn A100 gearbeitet (Abschnitt 16). Seitdem sorgt das Vorhaben für viele Diskussionen bei BürgerInnen, Medien und Parteien, während nebenher Stück für Stück Fakten geschaffen werden. Wir möchten die Diskussion um die A100 nicht einfach im Märkischen Sand versickern lassen, zumal aktuell bereits der nächste Bauabschnitt in Friedrichshain an der Bevölkerung vorbei geplant werden soll, sondern gemeinsam zeigen, dass es immer Alternativen zu diesem, aus unserer Sicht überflüssigen, Projekt gab, gibt und geben wird.

Deshalb laden wir KünstlerInnen, ArchitektInnen, Kinder, StadtplanerInnen und engagierte BürgerInnen ein, auf einem ausgewählten Teilstück der Baustelle bunte Alternativen für die Bebauung der A100 zu kreieren, welche im September 2016 in einer Ausstellung gezeigt werden sollen.

AUSSCHREIBUNG

Da die Bauarbeiten bereits begonnen haben, finden wir leider nicht überall eine bequem zu gestaltende Freifläche vor. Deswegen haben wir uns einen Abschnitt ausgesucht, der zumindest noch Sandboden ist: Die Beermannstraße und das dahinterliegende Areal bis zur Kiefholzstraße (die konkreten Infos dazu findet Ihr in der Ausschreibung zum Herunterladen). Die Beermannstraße steht auch symbolisch für den jahrelangen Protest gegen den Autobahnbau in der Innenstadt und die damit verbundenen „Risiken und Nebenwirkungen“.
Zeig uns Deine Vision für eine Alternativnutzung dieses Areals.

Optional kannst Du außerdem die Fläche des bereits bestehenden Park-Centers Treptow in Deine Neuplanung einbeziehen und dieses gewissermaßen „überplanen“. Dieses 1999 eröffnete Shoppingcenter nahm in seiner Form und seiner stadträumlichen Konzeption schon damals die noch nicht offiziell beschlossene Autobahnverlängerung vorweg, deshalb finden wir, dass Deine Idee ebenfalls neue Realitäten schaffen darf.

Dabei gilt: Alles ist möglich! Zwar geben wir Dir gerne den letzten Stand der Bauarbeiten an die Hand, aber nicht jeder mit guten Ideen hat ein IngenieurInnen-Diplom in der Tasche. Lass Dich also nicht abschrecken, auch Wolkenkuckucksheimen, Luftschlössern und anderen Phantasiegebilden geben wir eine Chance.

Alle bis zum 19. August 2016 eingereichten und akzeptierten Ideen werden zunächst auf unserer Website veröffentlicht, außerdem werden wir vor der Berlin-Wahl im September eine Ausstellung organisieren, im Rahmen derer wir ausgewählte Beiträge noch einmal gesondert präsentieren.

ZIP-DOWNLOAD

Alle Informationen rund um den zu gestaltenden Ort und die  Teilnahmebedingungen. Karten, Pläne und fotografische Perspektiven, in denen Ihr z.B. Eure Ideen visualieren könnt (Download ca. 15MB).

UPLOAD

Über den Upload-Link gelangt Ihr zu unserem Antwortformular und der Möglichkeit, uns Euren Beitrag zu senden. Die max. Größe Eurer Datei kann zunächst (Einreichungsphase) 20 MB betragen.

HINTERGRUND

Was könnte anstelle von Deutschlands teuerster Autobahnverlängerung, der „Elbphilharmonie unter den Autobahnen“,  nicht alles gebaut werden?! Diese Frage stellen sich seit der Wiederaufnahme der Planungen verschiedene BürgerInnen, Initiativen und auch PlanerInnen. Eben erst hat der Volksentscheid Fahrrad 105.425 Unterschriften für einen fahrradfreundlichen Umbau der Hauptstadt gesammelt und berlinweit geht es zunehmend um die Frage: „Wie sieht die lebenswerte Stadt für alle aus?“. Die Vorstellung, dass immer mehr Beton in der Stadt die Luft zum Atmen verbaut, war schon in den 1970er Jahren u.a. in Kreuzberg Anlass, Flächenabrisse zugunsten einer Stadtautobahn zu verhindern. Und ein halbes Jahrhundert später lässt sich feststellen: Die autogerechte Stadt muss endlich Geschichte sein.

Die Proteste gegen den Weiterbau der A100 im Treptower Norden haben inzwischen ebenfalls eine eigene Geschichte, so  kämpfen heute im Bündnis A100-stoppen (www.a100stoppen.de) viele Aktive gegen den Weiterbau. Was hat diesbezüglich nicht bereits alles stattgefunden: Die Besetzung der Kleingärten in der früheren Kolonie am Bahndamm (www.berlin-besetzt.de), die spektakuläre Baumbesetzung durch die AktivistInnen von der Initiative Robin Wood (www.robinwood.de) und nicht zuletzt der langjährige Protest in der Beermannstraße selbst. Ein Video der früheren Initiative BISS(Bürgerinitiative Stadtring Süd: www.stop-a100.de) soll daran erinnern:

Ihr wisst von weiteren Initiativen, die kreativ gegen den Weiterbau der A100 protestiert haben oder das tun? Dann gebt uns doch gern einen Hinweis! Auf dem Blog der Initiative Robin Wood fragt die Autorin Ute Bertrand: „Da räumt der neue Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel […] ein: Natürlich würde [der] Abriss [der anliegenden Häuser] für die A100 vor allem zu Verkehrsproblemen an der Elsenbrücke führen. Armes Treptow! Armes Friedrichshain! Denn Geisels Antwort – auch hier mit neuer Offenheit – ist: Den Autobahnring schließen. Das ist für ihn „vernünftig”. Denn bei Fertigstellung des Flughafens BER bricht in seiner Welt die Blechlawine schicksalshaft über diese Stadt hinein. Ist das noch Politik oder schon Verwaltung?“

Das Projekt stattautobahn.berlin möchte an die Geschichte des Protestes anschließen und mit dem Format des offenen Ideenwettbewerb auch PlanerInnen, KünstlerInnen oder jene, die sich in die Debatte über die lebenswerte Stadt von morgen einbringen wollen, einbeziehen.

 

KONTAKT

Kontakt aufnehmen könnt Ihr mit uns unter: kontakt@stattautobahn.berlin

Initiative und Ansprechpartnerin: Katalin Gennburg

Gestaltung und Social Media: Sheila Seyfert-Menzel

Koordination und Text: Martin Kräling

stattautobahn.berlin ist ein unabhängiges, nichtkommerzielles, temporäres Kunstprojekt, mit dem Wunsch, die Diskussion um den Ausbau der Stadtautobahn A100 auf kreative Weise um Alternativen zu bereichern. Wir möchten allen Interessierten eine Plattform zum Ideenaustausch und der Darstellung einer bunten Vielfalt bieten. Solltet Ihr keine Wettbewerbsarbeit abgeben, sondern Euch (z.B. als Betroffene oder Anrainer) auf andere künstlerische Weise zu Wort melden wollen, könnt Ihr dies ebenfalls tun, wir versuchen gerne, Eure Beiträge zu integrieren.

Disclaimer: Alle von Dritten hier präsentierten Ideen sind von uns keiner extensiven Prüfung auf Rechtmäßigkeit und Originalität unterzogen worden, für Verlinkungen zu anderen Webseiten und deren Inhalt übernehmen wir keine Gewähr.

„Es hat sich ein circulus vitiosus herausgebildet: Da die Verankerung des in den Städten aufwachsenden Menschen in seiner Kindheit mit weit mehr Enttäuschungen, Beschränkungen, Verzichten, Verboten belastet ist, als dies bei vernünftigem Bedenken seiner Bedürfnisse notwendig wäre, wächst zwar ein stadtgeborener Bürger auf, aber keiner, dem diese seine Stadt wirkliches Interesse, wirklichen Respekt abnötigt. Er ist zu früh auf die egoistischen Regulationen vom Typus >Das Betreten des Rasens ist verboten< getroffen, um später anders als egoistisch sich seinen Weg durch das >Dickicht der Städte< bahnen zu können. Wollen wir also diesen in die Sozialpathologie führenden Zirkel durchbrechen, so müssen wir dem Kind und Jugendlichen den ihm angemessenen Spielraum – im unmittelbaren Wortsinn – schaffen und gegen alle sonstigen Zweckmäßigkeitserwägungen offenhalten. Das wird nur gelingen, wenn unermüdlich Aufklärungsarbeit geleistet, wenn kräftig wiedergekäut wird, bis es auch der letzte Stadtverordnete verstanden hat. Bis er verstanden hat, dass er nicht nur für die Legung einer neuen Straßentrasse, sondern ebenso für die Schaffung eines Spielplatzes Boden in der Stadt enteignen kann.“ (A.Mitscherlich (1965) suhrkamp; S.94)